
Die Kurbel-Lampe. Laut einem Hersteller reicht eine Kurbelzeit von 60 Sekunden aus, um für 20 Minuten Licht zu haben. Ist das nicht grandios? Das Ding erinnert mich ein bisschen an eine Pfeffermühle, da kann ich gar nichts falsch machen. Ich war bis heute ahnungslos, dass es so etwas überhaupt gibt. Eine batterielose Taschenlampe. Hm. Hätte wohl öfter campen sollen. Nächtliche Toilettenbesuche sind so nicht mehr ausgeschlossen. Außer eine dicke, fette Spinne macht es sich in der Ecke bequem. Dann bleibe ich auch trotz Kurbel-Lampe lieber unter dem Moskitonetz liegen.
Was muss auf die einsame Insel mit?
Was macht Ihr dort eigentlich?

Die Frage stellt uns gerade jeder. Aber ganz ehrlich, wir wissen es selbst noch nicht so genau. Vermutlich werden wir auf unserer Insel vor allem damit beschäftigt sein, Kokosnüssen auszuweichen.
Sonne. Strand. Sterben.
Blutiger Filmtipp für alle, die Strand und Dschungel vor sich haben: Turistas. Eine Gruppe Rucksacktouristen fällt in Brasilien einem Organhändler zum Opfer, der mit großer Lust in ihren Bäuchen herumschneidet. Glücklicherweise ist ja hier nicht Fiji der Drehort, aber vielleicht hätte ich diesen Horrorfilm vorm Abflug nicht unbedingt nochmal anschauen müssen. Dann lieber Open Water oder The Beach. Auf meiner Liste, was ich alles auf die einsame Insel mitnehme, steht jetzt jedenfalls noch ein Buschmesser.
Lufthansa, bitte lass uns nach Fiji fliegen

Hui, es wird spannend: Lufthansa streikt laut Spiegel Online ab Montag 0 Uhr. Sollen sie gerne tun, ich ja begeisterungsfähig für Streiks. Solange ich nicht betroffen bin. Am Sonntag, 3. August, wäre es schön, wenn sich die Streiparteien einig sind. Bitte, liebes Kabinen- und Bodenpersonal, lasst uns nach Fiji fliegen. Andererseits: Dann beginnt das Abenteuer eben in Frankfurt. Ich werde ein bisschen üben und Cheeseburger mit Speeren jagen. Von L.A. geht es mit Air New Zealand weiter – wenn die auch streiken, pack’ ich mein Paddelboot aus. Ich will jetzt auf die Insel.
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Exklusiv: T-Online unkompliziert
Zwei Wochen vor dem Abflug ist das Unglaubliche passiert. Ein Mann von unserer beliebten Telekom hat angerufen. Er habe meine Kündigung erhalten. Logisch, immerhin habe ich ein Fax abgeschickt und einen Brief per Einschreiben (nachdem ich in einen T-Punkt gerannt war und dort die Auskunft erkunft erhalten hatte, man dürfe den Kunden bei Kündigungen nicht behilflich sein, Anweisung von oben). Der Mann am Telefon fragte zunächst nach dem Grund der Kündigung. Mit der Antwort "Wir gehen ins Ausland" war er völlig zufrieden. Scheint besser zu sein als die Variante "Wir wollen zur Konkurrenz wechseln". Er versprach sogar, dass mein Call & Surf Comfort Paket so schnell wie möglich aufgelöst wird, noch im August. Anschließend sagte der Mitarbeiter - von sich aus –, dass ich noch eine schriftliche Bestätigung der Kündigung erhalten werde. Ich kann diesmal nur sagen: T-Online unkompliziert.
Schleppen, schleppen, schleppen
Es gibt nichts Schlimmeres als einen Umzug. Nur leider kommt keiner drum herum – egal, wie lange er ihn vor sich herschiebt. Mit einem großen Sixt-Lieferwagen haben wir unsere Möbel an die Orte transportiert, an denen sie für ein Jahr lang geschützt liegen sollen. Einen ganzen Tag lang schleppen, schleppen, schleppen. Das einzig Schöne ist, mal mit Lkw-Feeling durch die Gegend zu fahren. Man gerät leicht in Versuchung, ein bisschen Real GTA zu spielen.
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Bin dann mal weg

Die Heimfahrt nach dem letzten Arbeitstag ist irgendwie anders. Ich habe das Fenster runter gemacht, meine Hand in den Fahrtwind gehalten und die Lautstärke des Radios ganz nach unten gedreht. Die Luft ist warm. Es fühlt sich an wie eine Fahrt ins Nichts. Alles ist plötzlich so offen. Ich kann das Abenteuer schon spüren.
Mag sein, dass sich das bescheuert anhört. Aber ich kann es spüren.
Sehr wichtig: Mein Abwesenheits-Assistent weiß Bescheid. "Vielen Dank für Ihre Mail. Leider kann ich sie zurzeit nicht lesen. Ich habe Urlaub und bin erst am 1. August 2009 wieder im Haus."
Projekt Fiji
Ein Jahr auf einer Insel – wie fühlt sich der Südsee-Traum an? Meine Frau und ich haben beschlossen, es herauszufinden und ein ungewöhnliches Projekt zu starten: Wir werden ein Jahr lang so leben, wie es viele der Fijianer auf ihren rund dreihundert Inseln machen, die mehr als 2000 Kilometer im Norden von Neuseeland verstreut sind. Frei nach dem Motto: Genieße den Tag und wenn du Hunger hast, dann fang dir einen Fisch.
Diesen Satz sagen Fijianer gerne, wenn die komischen Weißen sie fragen, wie sie das so machen mit sich und der Insel. Die komischen Weißen – das sind Europäer, Amerikaner, Australier und jede Menge andere – kommen in der Regel für drei Wochen in die Südsee, sitzen im Jacuzzi, tauchen den Mantas hinterher und verzweifeln nach den ersten und auch wieder in den letzten paar Tagen daran, dass sie für ihren Chef auf dieser Insel ja gar nicht erreichbar sind. Dann fliegen sie zurück in ihre Heimat. Ihre Frage haben sie den Fijianern fast alle gestellt, auch die Antwort gehört, aber in ihren Ohren klingt sie nur wie eine abgedroschene Floskel. Genieße den Tag?
Was ist, wenn die Menschen in Fiji Recht haben? Und wenn Kurztouristen einen Rat überhören, der ihr Leben in der westlichen Welt hätte verändern können, indem sie eine kleine Kleinigkeit berücksichtigt hätten? Was ist, wenn das mit dem Genießen und dem Fisch eine Anleitung zu mehr Gelassenheit und Zufriedenheit ist?
Die Sache ist nur: Fang erst mal einen Fisch.
Wir sind zwei Mittzwanziger, die noch ganz am Anfang unseres Berufslebens stehen. Und uns geht es wie wohl einem Großteil unserer Generation: Wir schauen mit einem gewissen Gefühl des Unwohlseins auf die nächsten vierzig Jahre. Stellen wir uns so unser restliches Leben vor? Ist es das? War es das?
Wir wollen raus, bevor wir uns später nicht mehr dazu aufraffen. Sozusagen ein Flitterjahr machen. Geplanter Start: Mitte 2008. Wir wollen wissen, wie sich der Traum von einem Jahr auf der Südsee-Insel anfühlt. Es wird auf die zentrale Frage hinauslaufen: Ist er lebenswert oder wäre er besser nur ein Traum geblieben?
Es ist uns unerklärlich, wie das Klischee entstand, man könne es nicht mehr als drei Wochen auf einer Südsee-Insel aushalten. Das müssen Menschen sein, die Stille zu Selbstzweifel treibt. Für uns ist es eine Herausforderung, ein Jahr lang ohne westlichen Luxus zu leben und eine Insel mit ihren Bewohnern jeden Tag neu zu entdecken. Wir werden uns wahrscheinlich wie Tom Hanks in Cast Away die Hände blutig schlagen, wenn wir eine Kokosnuss öffnen. Aber genau das ist es, was wir unter einem Abenteuer verstehen.
Wir beschränken uns in den nächsten Monaten auf das, was die Menschheit schon lange kann. Gemüse anbauen. Mit den Händen essen. Sammeln und jagen. Ein wenig westliche Bedürfnisse werden wir stillen. Wir werden eine Wasserleitung haben, Gaskocher, Spüle, vielleicht eine Dusche und auf jeden Fall eine Toilette. Wir sind keine geborenen Handwerker, aber irgendwie wird das schon gehen.
Man muss es nur sehen wie ein Fijianer. Wir genießen den Tag und wenn wir Hunger bekommen, fangen wir einen Fisch.

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