
Mitte November, es ist soweit. Die Nacht ist schön wie nie. Das Licht des Vollmonds strahlt von den Palmwedeln herab, der Strand leuchtet wie ein fluoreszierender Sticker. Das scheint auch den Krabben zu gefallen: Überall kommen große, rote Exemplare mit noch größeren Zangen aus ihren Löchern. Eine Invasion. Eine, auf die sich die Fijianer monatelang freuen – sie stehen auf das zarte Krabbenfleisch.

Die Insel Qamea ist bekannt für dieses Spektakel, und vor unserer Hütte ist besonders viel los. Die Krabben haben es sich am Bachlauf nebenan gemütlich gemacht. Zu Beginn ihrer Brütezeit sind sie alle unterwegs. Der leichte Regen lockt sie aus ihren Unterschlüpfen im Boden.
Mit großen Säcken laufen die Fijianer bei Einbruch der Dunkelheit am Strand entlang und werden später wie der Nikolaus daheim erwartet. Mein 30-jähriger Nachbar Mika, erfahrener Krabbenjäger, nimmt mich an diesem denkwürdigen Abend mit und zeigt mir mit der Taschenlampe, wo die besten Stellen sind. Folgt man dem Bachlauf hinauf in den Regenwald, wird es sehr rutschig, aber andererseits auch äußerst ergiebig.

"Du musst die Krabben von hinten packen", sagt Mika, "sonst zwicken sie dich." Vor allem die männlichen Krabben sehen furchterregend aus mit ihren baggerarmgroßen Zangen (vielleicht leicht übertrieben) – aber dafür sind sie gut zu fangen, weil sie nur langsam vorankommen. Die Weibchen sind dagegen klein und schnell. Für Mika kein Problem: Mit einem gezielten Blick fischt er nach dem Panzer und wirft die Krabbe in den Sack.
Über meine zahlreichen fehlgeschlagenen Versuche, eine Krabbe zu fangen, sieht er höflich hinweg. Später zieht er eine langsame männliche Krabbe aus dem Sack und lässt mich mal probieren. Sehr witzig. Ich wollte eigentlich eine Krabbe fangen, die er noch nicht zuvor in der Hand hatte. Aber es klappt, ich packe die männliche Krabbe an ihren borstigen Füßen und werfe sie wieder zurück in den Sack. Gott sei Dank, sonst hätte ich nicht schlafen können.

Mika zieht mit ungefähr 30 Krabben von dannen und ich nehme mir vor: Morgen fange ich selbst welche.

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Samstag, 7. November 2009, 21:09
Lustig, ich hätte garnicht gedacht das das wirklich so funktioniert. Komische Welt.
Nikolaus Köln