Weihnachtsgeschichte

Was uns hier auf der Insel manchmal fehlt, ist Abendunterhaltung. Deshalb habe ich mich besonders gefreut, als mir mein Bruder Sebastian, 23, eine kleine Weihnachtsgeschichte gemailt hat. Die ist so gut, dass noch etwas mehr Leute daran teilhaben sollten.

"Nun, möchtest du eine kleine Weihnachtsgeschichte hören? Möchtest du ein bisschen unterhalten werden? Am Arsch der Welt endlich mal eine Story?

Dann les’ weiter und danke deinem Bruder.


Kamila und ich wollten heute nach Polen…

Nach Heidelberg fahren wir um 13:29, sind 14:08 dort. Das reicht doch locker! Fünzig Minuten stehen wir an der richtigen Haltestelle, von wo aus der Bus fährt. 1,5 Stunden später merken wir, dass es eine noch richtigere Haltestelle gibt. Und unser Bus war weg… für immer. Und zwei andere Busse, die danach kommen, sind voll, und fahren weg… für immer.

Doch wir sind stark, fassen einen genialen Plan. Wir fahren nach Mannheim, dann nach Gießen mit dem ICE und wir holen den Bus ein und steigen zu! Schade, den RE nach Mannheim verpassen wir um eine Minute. Die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht schaffen wir es mit der Lahmarsch-S-Bahn noch rechtzeitig nach Mannheim, um den ICE zu bekommen. 16:31 sind wir in der Quadratstadt. "Geh auf Gleis 4", schrei ich zu Kamila, denn entweder auf Gleis 4 oder 5 fahren die ICEŽs ab, soweit ich das in meiner Zeit in Mannheim mitbekommen hab. Wie ein Wilder ras’ ich zu einem Automaten, will die Fahrkarte nach Gießen kaufen. Zittrige Hände drücken drei mal das falsche, ehe ich die Fahrkarte kaufen kann. Vier Minuten bleiben in Mannheim für den Spaß. Doch nun seh ich auf der gerade für 63 Euro ersteigerten Fahrkarte, dass der ICE von Gleis 3 abfährt. Scheiße.

Ich rufe Kamila noch im Rennen an "zu Gleis 3", und schrei ins Handy, sie sollen das ganze Gepäck mit ihr selbst so schnell wie nur möglich auf Gleis 3 bringen. Es ist laut, aber sie hats verstanden, ich komm’ an Gleis 3 an. Der Zug steht zum Abfahren bereit, aber Kamila ist noch nicht da. Ich sage zum Schaffner: Hey, warte noch 20 Sekunden, bitte, bitte!!!!!! Er lehnt ab, pfeift in die Pfeife, die Pfeife, und geht in den Zug, er fährt, ich schrei rum, es bringt nichts, ich weine.

Ein … von der DB druckt mir was aus, ein anderer ICE, doch er ist doch zu spät, da ist der Bus auch schon in Gießen abgefahren… Kamila weint.

160 Euro für den Bus, 63 Euro für den nicht genommenen ICE, unser Geldbeutel weint.

Mit letzter Kraft schlepp ich mich zum Infocenter und Fahrkartenkauf, bekomm wenigstens die 63 Euro zurück.

Lächerliche 263 Eier schmeißen wir auf den Tisch für den Zug nach Opole (Polska).

Jetzt warten wir bis 23:59 Uhr auf unseren Zug, ich lache, Kamila auch.

Wir sind glücklich.

Und gehen einen Glühwein trinken auf dem Weihnachtsmarkt.

Morgen sind wir in Polen und wir freuen uns. Weihnachten kann kommen.

Wir wünschen euch ein tolles Fest.

Bis dann
Sebastian"



1 Kommentar
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evi:
Dienstag, 23. Dezember 2008, 23:19

Ätsch, ich kenn die Geschichte schon, hab Telefonseelsorge geleistet.
Fröhliche Weihnachten!
EOK



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