
Nachbar Josepo hat mir endlich seine Grogplantage gezeigt. Sie ist etwa zwei Kilometer vom Strand entfernt, und um sie zu erreichen, muss man einem verschlungenen Pfad durch den Regenwald folgen. Ich war von den Sträuchern der Pfefferpflanze so sehr beeindruckt, dass ich nun mein eigenes Yaqona angepflanzt habe.

In Josepos Augen macht es nicht sonderlich viel Sinn, Grog anzupflanzen, wenn man nur noch ein Jahr in Fiji ist. Bis die Pflanze geerntet werden kann, vergehen mindestens drei Jahre. Guter Grog ist sechs Jahre alt, oder sogar noch älter.
Als Josepo das letzte Mal auf der Nachbarinsel Taveuni war, hat sein Sohn Willy einen neun Jahre alten Strauch geerntet. Für uns übersetzt heißt das: Der Sohn hat seinem Vater den ältesten und besten Wein aus dem Weinkeller geklaut. Josepo war nicht sonderlich begeistert. Aber er habe zum Glück noch zwei weitere neun Jahre alte Sträucher, hat er mir verraten.
Wir gehen schon morgens früh um sieben Uhr in den Regenwald hinauf. Josepo schaut mich zunächst nur verwundert an, als ich in meinen Trekkingsandalen vor ihm stehe. Er trägt feste Stiefel, hat ein Buschmesser und einen Spaten in der Hand, ein Stirnband umgewickelt, eine Wasserflasche und einen leeren Sack umhängen. Ich verstehe schnell: nochmal heim und umziehen.
Was besseres als Turnschuhe habe ich nicht da, aber sie sind immerhin trittfest. Auch ich entscheide mich für eine Flasche Wasser, das Buschmesser und eine Kopfbedeckung, meine Schildkappe. Josepo nickt mir zu. Schon besser, wird er sich denken.
Wir gehen den Weg zu seiner Plantage langsam an, denn die Hitze ist schon jetzt zu spüren. Zwischendurch setzen wir uns. Josepo ist 66 Jahre alt, aber hat eine verdammt gute Kondition. Überhalb von unserem Rastplatz ist sie zu erkennen, die Grogplantage. Die Sträucher haben knöcherne Äste, die unter den verhältnismäßig kleinen Blättern hervorstechen. Die Sicht von hier oben umfasst einen großen Teil der Namata Bay. Der Grund, warum Jospeo diesen Platz für seinen Kava ausgewählt hat, ist allerdings ein anderer. Die Erde, die ist hier vom feinsten.
Ob er hier auch Cassava pflanze, frage ich ihn – die Wurzeln, die in Fiji jeden zweiten Tag auf dem Teller landen. An seiner Reaktion merke ich, dass die Frage nicht sonderlich klug war. Für Cassava, sagt er, wäre diese Erde hier verschwendet.
Heute werden wir uns nur einen Yaqonastrauch vornehmen, denn unten, neben Josepos Haus, trocknen bereits Wurzeln, die er an den Vortagen geerntet hat. Grog ist wertvoll, und man erntet nicht einfach drauf los, sonderm mit viel Sorgfalt. Säuberlich sticht Josepo mit dem Spaten um die Wurzel. Als er den Kreis fertig gezogen hat, drückt er die ganze Wurzel mit einem Hieb heraus. Richtig dick, dieses Ding.
Josepo bricht die Wurzeln einzeln heraus und wirft sie auf einen Haufen. Sie haben schon den Duft von Pfeffer. Später wirft er alles in den Sack, den er mitgebracht hat. Wir machen wieder Pause. Ob ich denn wirklich auch Grog anpflanzen wolle, fragt er mich. Ja, prinzipiell schon, antworte ich. Die Frage ist nur: Ist die Erde oberhalb unseres Platzes gut genug?
Josepo sagt, was er in solchen Fällen sagt: Lass es auf einen Versuch ankommen. Ich soll den Grog im richtigen Winkel die Erde stecken, damit die Wurzeln schnell kommen. Und ich soll Gras über die Fläche legen, damit die Erde etwas kühl und feucht bleibt. Wässern ist auch okay, aber das habe er noch nie gemacht. Ein richtiger Fijianer wässert nicht. Die Pflanzen wachsen von selbst.
Damit ich selbst Grog anpflanzen kann, hackt Josepo mir einzelne Äste ab. Später, als wir wieder unten am Strand sind, zerkleinert er mir sie. Offensichtlich hat er sich gefreut, dass ich ihn begleitet habe – obwohl ich mich vorher ein wenig aufdringlich gefühlt habe. Aber das stelle ich immer wieder fest: Man muss sich hier aufdrängen. Und über echtes Interesse freuen sich die Insulaner sehr.
Ich darf jederzeit wieder mit, zur Grogplantage, und das werde ich auch tun. Vielleicht brauche ich ja noch mehr Äste, um das Grogbeet zu erweitern. Die ersten Yaqonasträucher entwickeln sich schon, ich sehe deutlich den Fortschritt. Ein tolles Gefühl, das einen irgendwie auch verpflichtet. In fünf oder sechs Jahren will ich es sein, der diesen Grog erntet. Auch wenn ich dafür aus Deutschland einen weiten Weg habe.
Achso, wenn jemand mit dem Begriff Yaqona noch nichts anfangen kann: Aus den Wurzeln dieser Pfefferpflanze wird das Getränk Kava gemacht, das in der Südsee von existenzieller Bedeutung ist. Ohne Kava geht nix.

Dieses nette Schild aber ich am Busbahnhof in Savusavu auf Fijis zweitgrößter Insel Vanua Levu entdeckt.

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Mittwoch, 31. Dezember 2008, 12:54
Prosit Neujahr und noch eine schöne Zeit auf der Insel.
Trinkt nicht so viel Grog, sonst seid ihr morgen grogy.
Beste Wünsche von Otto