
Der Mann, der uns ins Paradies gelassen hat, ist auf seiner Insel zu Besuch gewesen. Ratu (Dorfchef) und ein Schulkamerad (rechts) sind ums Riff geschippert, um Fische zu fangen – hatten aber kein Glück. Dafür bei uns: Wir haben sie mit Kaffee und Keksen verwöhnt. Ich habe die Gelegenheit genutzt, um den Ratu nach Inselgeschichten auszufragen, die ich in den nächsten Tagen im Blog veröffentliche.
Fijianer können echt lustig sein.
Der Ratu hatte sein Vodafone-Handy dabei – und als es klingelte, hat sein Freund aus Schulzeiten geschimpft: "He’s always busy."
Busy!
Nina und ich wissen zwar langsam nicht mehr, welchen Tag wir haben – aber der Tag des Besuchs war definitiv ein Werktag. Und die beiden Jungs haben hier viele Stunden vertrödelt, beim Entspannen und beim Fischen.
Aus fijianischer Sicht ist also jemand im Stress, wenn er auf einer einsamen Insel einen Anruf bekommt…
Jedenfalls: Der Ratu ist ein ziemlich interessanter Mensch. Und in seinem Distrikt liegen neben unserer Insel viele weitere kleine, einsame Inseln, verstreut im Nichts. Er hat uns mal anhand der Karte gezeigt, wie groß dieses Gebiet ist. Das größte Fischgebiet Fijis.
Ich dachte ja für einen kurzen Moment: Wenn wir mal an eine Wiederholung dieses Abenteuers denken, muss er der richtige Ansprechpartner sein. Mit 35 oder spätestens 40 in Rente, dann auf die Insel und Fischen. Das wär’s doch!
Dieses Inselleben ist auf Dauer eigentlich viel mehr als ein Abenteuer. Es ist eine Lebensart. Es ist so leicht. Die einzige Frage, die ich mir stelle, ist: Wann ist Ebbe? Da lässt’s sich schöner fischen.
"Hey Bro", sagte der Ratu zu mir. "Wenn Du wieder nach Fiji kommst, gehst Du direkt zu mir. Dann suchen wir eine Insel, bauen eine Bure und da lebst Du dann bis ans Ende." Danach hat er gelacht – wahrscheinlich hat er keine Idee davon, wie ernst ich solche Worte manchmal nehme.
Die nächsten Stunden hat er sich auf der Veranda zurückgelehnt und ab und zu an seinem Bierchen genippt. "Hier komme ich immer her, wenn ich meine Ruhe will", sagte er – um anschließend besonders tief durchzuatmen. Ratu hat schon einige Monate in seinem Leben in der Einsamkeit verbracht, und er ist es immer noch nicht leid.
Er will die nächsten Wochen nochmal mit ein paar Freunden vorbeischauen und einen Lovo, den fijianischen Erdofen, machen. Ich hoffe, es ist keine vage Idee, sondern ein fester Plan. Ich habe das Gefühl, der Mann kann mir noch viel erzählen. Außerdem will er mit mir ums Riff schippern und einen Thunfisch fangen.
Wie wird nur alles werden, wenn wir wieder daheim in Deutschland sind?
Es ist eine Mischung aus Freude auf die Familie, Freunde. Auf den Job. Auf das Land, den Wald, den Sonntagsspaziergang. Aber es ist auch Angst.
Ich weiß, hört sich bescheuert an. Es war auch noch nie meine Stärke, zu philosophieren.
Aber ich frag’ mich schon: Wird uns die Insel als Erinnerung reichen? Werden wir in uns hinein lächeln, wenn wir schlecht gelaunt sind und uns ablenken wollen? Oder werden wir uns für immer nach ihr sehnen?
Nach der Insel. Und nach einer Zeit, die es nur einmal in unserem Leben gegeben hat.
Einmal.

Sunday und die Insel

Ratus Enkel Samu ist auch schon zu Besuch gewesen. Er ist ein begnadeter Speerfische, hier hat er einen Papageifisch.

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