
Daran haben wir nicht mehr geglaubt. Wir dachten, wir hätten den Zeitpunkt, an dem die Meeresschildkröten schlüpfen, längst verpasst. Aber es kam anders. Auf dem Weg zum Fischen habe ich ein kleines Tierchen über den Strand krabbeln sehen. In der Mittagssonne, weit und breit kein anderes Tierchen unterwegs. Ein Krebs, nahm ich an. Ein ziemlich langsamer. Dann endlich habe ich es kapiert: eine Babyschildkröte. Meine erste Reaktion war ein Schrei – als hätte mich ein Tigerhai angehüpft: "Nina. Komm her."
Ich war schon fast wütend, dass Nina so langsam auf mich zu lief. "Mach schneller", rief ich.
Wir standen vor der Schildkröte und konnten es nicht fassen. Heißt es nicht, dass die in Kolonnen zum Meer watscheln? Und außerdem doch eher nachts…
Und überhaupt: Wo sind die anderen? Warum ist keine zu sehen?
Ist diese Schildkröte die erste oder die letzte, zu früh geschlüpft oder zu spät?
Was machen wir jetzt?
Ich bin hoch gelaufen, zwischen Palmen und Gebüsch und habe mir das Schildkrötennest genauer angeschaut. Nichts. Kleine Lavabröckelchen, wie überall, Sand. Keine Löcher, keiner Eierschalen. Wir haben zwar in den letzten Monaten immer mal wieder Schalen entdeckt, die wir für Schildkröteneier gehalten haben – aber sicher waren wir uns nie.
Da die Schildkröte so allein unterwegs war und das Meer so groß und brutal ist, haben wir entschieden, sie in einem Salzwasser-Pool am Haus aufzupeppeln.

Ursprünglich wollten wir Schildkröten gar nicht mitnehmen, wenn wir welche finden. Das Beste wäre wohl, einfach daneben zu stehen und sie vor Vögeln zu schützen – und ansonsten der Natur ihren Lauf zu lassen. Auch, weil die Schildkröten den Platz ihrer Geburt angeblich nicht wiederfinden, wenn man sie mitnimmt – und den müssen sie später finden: Dort werden sie ihre Eier legen. Aber dieses Baby schien so verloren und mit so wenig Überlebenschancen – die Vögel kreisen den ganzen Tag über die Insel –, sorry, wir konnten nicht anders.
Irgendwie muss man doch versuchen, die Zahl der Meeresschildkröten, die durch illegale Schildkrötenjagd schrumpft, mit so etwas auszugleichen.
Oder nicht? Keine Ahnung, vielleicht war es auch ein Fehler. Wir haben jedenfalls gemacht, was wir für richtig hielten.
Mittlerweile taucht Herby – wir haben die Schildkröte nach unserem Freund Herbert benannt, der mal eine Landschildkröte hatte – in einer Plastikwanne umher. Er ist ganz schön munter. Alle zwei Stunden wechseln wir das Wasser. In der Hoffnung, dass viel Plankton drin ist. Zusätzlich schneide ich jeden Tag ein Stückchen eines Köderfischs klein, das ich Herby dann in mundgerechten Portionen fütterte. Auch Algen, Krebs- und Fischeier mag er.
Herby ist ja soo winzig. Unglaublich. Vier Zentimeter lang etwa.
Wir hoffen auf eine Babyschildkröten-Kolonne in den nächsten Tagen, der wir Herby anschließen können. Falls keine unterwegs ist, werden wir ihn wohl irgendwann nachts, bei Ebbe, aussetzen. Seine Chancen müssten dann größer sein als tagsüber und bei Flut. Die größten Feinde der Schildkrötenbabys sind angeblich Krebse. Wusste ich gar nicht, ich hätte eher auf Raubfische getippt – aber unsere Verwandten daheim liefern uns jede Menge Schildkröteninfos.
Tipp unseres Vermieters, der selbst schon Babyschildkröten hatte (und sie mit Thunfisch aufgezogen haben will): die Babys regelmäßig mit einer Zahnbürste putzen.
Keine Ahnung, wie er darauf gekommen ist. Aber Herby scheint es tatsächlich zu gefallen!

Ein paar Tage später schon ist Herby ordentlich gewachsen, was wir an den immer dicker werdenden schwarzen Linien auf dem Panzer erkennen:


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Montag, 1. Juni 2009, 11:43
Hallo,
ich bin durch Googeln auf Eure Seite gestoßen, und seitdem lese ich Eure Artikel mit Begeisterung. Ich war im Süd-Sommer 2006/07 mit meiner Partnerin für vier Monate in Fidschi, Ankunft war einen Tag nach dem vierten Putsch und eine Woche vor der Bimsstein-Flut.
Durch Euren Blog habe ich mich gleich wieder “wie Zuhause” gefühlt. Genießt Eure letzten Monate im Land meiner Träume!