
Ungewöhnlicher Besuch: Ein paar Jungs von den Ringgold Islands, einer abgelegenen Inselkette eine gute Stunde Bootsfahrt von uns entfernt, haben vor unserem Riff gefischt. Weil man bei so viel knallender Sonne zwischendurch auch mal Schatten braucht, haben wir mit ihnen auf unserer Veranda kalten Saft (Wasser-Orangensirup-Mischung) getrunken und ein paar Käsecracker gegessen.
"Bist du der neue Besitzer?", fragt mich einer der Männer, nachdem er das Boot geankert hat.
Eine schöne Vorstellung, aber so ist es leider nicht. Wir sind nur Mieter, erkläre ich ihm.
Seine Freunde aus Yanuca, der größten Insel der Ringgolds, haben erst etwas gezögert, bis sie sich auf eine Pause vom Tauchen einließen – aber dann waren sie doch dabei, samt einer netten Blauflossen-Makrele, die sie mir mitgebracht haben. Frisch erspeert.
Von weitem haben sie gedacht, wir seien Fidschianer. Wahrscheinlich lag das daran, das ich mal wieder mit der Handleine im seichten Wasser gestanden bin und gefischt habe. Außerdem sind Nina und ich mittlerweile Mahagoni-Braun.
Einer unsere sieben Besucher hatte eine blutende Fleischwunde, Korallenverletzung. Passiert ständig. Ich habe die Chance genutzt, ihm Desinfektionsspray draufzusprühen. Er hat sich vor Schmerzen gekrümmt, die anderen haben sich bestens amüsiert.
Nach einer halben Stunde Kaffeeklatsch haben sich die Fischer höflichst verabschiedet, sich für die Gastfreundschaft bedankt und uns in ihr Dorf eingeladen, falls wir je irgendwann mal vorbeikommen.
Im vergangenen August haben Nina und ich tatsächlich überlegt, ob Yanuca in der Ringgolds für uns ein guter Platz zum Verweilen wäre. Wir haben das damals verworfen, weil es uns zu abenteuerlich vorkam und es kein Quellwasser gibt.
Jetzt sind wir noch weiter ab vom Schuss und kochen Regenwasser zum Trinken ab. Unglaublich, wie sich alles geändert hat. Wir hatten viel zu viele Bedenken am Anfang, dabei lebt es sich so leicht hier – wir brauchen keinen Komfort. Die Insel ist Komfort genug.
Als ich ein Abschiedsfoto am Strand gemacht habe, kam einer der Fischer auf mich zu und hat mir einen gehörigen Schrecken eingejagt.
"One Kerikeri please", hat er gesagt.
Woraufhin ich mit offenem Mund vor ihm stand. "Ja", sagte ich.
Kerikeri heißt nichts anderes wie Haben-Will. Ist eine Art fijianischer Kommunismus. Auf ein Kerikeri wird kein Nein akzeptiert. Eine Schande für den, der hier kneift. Würde ich mir nie verzeihen.
Wir sind jetzt schon öfter mit einem Kerikeri konfrontiert worden, das letzte Mal aber nur wegen einer Packung Streichhölzer.
Diesmal dachte ich: Oh, ihm gefällt wohl meine Kamera.
Er sagte nur: "Kannst du die Fotos an meine Postadresse schicken, wenn du wieder in Deutschland bist?"
Aufatmend antwortete ich: "Klar, natürlich."

Die erspeerte Blauflossen-Makrele. Man sieht, wie geübt die Fischer sind: Der Speer ging direkt in den Kopf – somit wird das gute Fleisch nicht zerrissen.

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Donnerstag, 14. Januar 2010, 08:30
was habt ihr da gemacht??